Archiv für Dezember, 2008

Abschied von Deutschland

Posted in Sierra Leone with tags , , on Dezember 25, 2008 by staunenundwundern

In ein paar Stunden ist es soweit. Ich reise ab nach Sierra Leone. Mal sehen was es von dort unten zu berichten gibt.

US-Wirtschaft vor Zusammenbruch

Posted in Wirtschaft & Politik with tags , , on Dezember 14, 2008 by staunenundwundern

Nachdem den US-Autobauern Hilfen von Seiten der Regierung versagt bleiben, steuert die Wirtschaft der Vereinigten Staaten auf die nächste Katastrophe zu wie The Onion News Network berichtet:  

Klassiker der Ökonomie: eine Kritik und eine Empfehlung

Posted in Wirtschaft & Politik with tags , , , on Dezember 7, 2008 by staunenundwundern

Ich besitze ein interessantes kleines Buch welches mir freundlicherweise kostenlos von der Lobbyorganisation INSM, der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft zur Verfügung gestellt wurde. Die „Klassiker der Ökonomie“ – herausgegeben von Michael Hüther, dem Direktor des „Instituts der Deutschen Wirtschaft„, welches von vom Bundesverband der deutschen Industrie und der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeber getragen wird. Die Interessenvertretung der Arbeitgeber hat es sich also zur hehren Aufgabe gemacht dem gemeinen Bürger das ABC der Ökonomie näher zu bringen – löblich! Vorgestellt (in einer Zusammenfassung von getAbstract) und interpretiert (von willfährigen Ökonomen) werden 15 bedeutende Vertreter dieser Zunft. Es liegt mir natürlich fern der INSM und dem Herausgeber Absichten manipulativer Art zu unterstellen, immerhin wurden die einzelnen Ökonomen 2005 zum ersten Mal als Beilage zur Financial Times Deutschland gereicht (als Klassiker kompakt und ohne Interpretation) und der vertraue ich ja. Andere jedoch haben den Bildungsanspruch von INSM und IDW kritischer begleitet.

Aber beginnen wir mit der Auswahl der Ökonomen. Den Anfang macht Adam Smith. Marx ist auch dabei, allerdings nur mit einer Übersicht des „Kommunistischen Manifests“. Das „Kapital“ – ob seines Umfangs – wollte bei getAbstact wahrscheinlich keiner lesen. John Maynard Keynes darf ebenso wenig fehlen wie die heiligen drei Könige des Liberalismus, Ludwig von Mises, Friedrich August  von Hayek und Milton Friedman sowie der Gralshüter der sozialen Marktwirtschaft Ludwig Erhard. Letzterer hat zwar nie ein bedeutendes wissenschaftliches Werk verfasst, sein Buch „Wohlstand für alle“, das eher autobiographisch die Wiedergeburt der Deutschen Marktwirtschaft begleitet wurde trotzdem für Wert befunden vorgestellt zu werden. Ich persönlich hätte die Aufnahme von John Kenneth Galbraith in diesen Reigen passender gefunden. Nicht zuletzt wegen seiner Analyse der Wirtschaftskrise 1929, aber gut der war ja linksliberal. Oder eher noch den Begründer des Ordoliberalismus Walter Eucken.

Und tatsächlich wollte die INSM Walter Euckens Werk „Die Grundlagen der Nationalökonomie“ in ihren Bildungskanon aufnehmen. Dies wurde jedoch von Walter Oswalt, dem Enkel Euckens verhindert. Der hat die Rechte an Euckens Nachlass inne und lies die Veröffentlichung durch eine einstweilige Verfügung des Landgerichts Frankfurt am Main verhindern. Die Begründung hierfür kann man z.B. in der Berliner Zeitung vom 27.01.2005 nachlesen:

Bei der schwierigen Kürzung des 300-Seiten-Werkes auf Broschüren-Format (vorgenommen von einer Firma namens Getabstract) sei Euckens Werk sinnentstellt wiedergegeben worden. Und es wimmle von Fehlern im Beitext. Da werde etwa erfunden, der NS-Gegner Eucken habe 1943 zusammen mit dem Nationalsozialisten Alfred Müller-Armack ein Werk namens „Grundlagen der Sozialen Marktwirtschaft“ herausgegeben.

Oswalt ist entsetzt über die Fehler und hat einen Verdacht. Schließlich geht es hier um die Kirchenväter des westdeutschen Wirtschaftsdenkens. Und die „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ ist eine von der Industrie geförderte Lobbygruppe, die die deutsche öffentlichkeit auf Reformkurs bringen will, indem sie rhetorisch an die Ursprünge der Sozialen Marktwirtschaft nach dem Krieg anknüpft. Wollten die nun neben Ludwig Erhard und Müller-Armack plötzlich auch Eucken für sich vereinnahmen? Der aber war ein Radikalliberaler, dem schon diese Lobby ein Greuel wäre, meint Oswalt; er war ein Kämpfer nicht gegen den Missbrauch wirtschaftlicher Macht, sondern gegen wirtschaftliche Macht schlechthin.

Eucken wäre die INSM nicht nur ein Greuel gewesen, wie es in diesem Artikel heisst. Er hat interessensgebundene und ideologisch durchtränkte Ökonomie als schlichtweg unwissenschaftlich abgelehnt. In eben diesen „Grundlagen der Nationalökonomie“ schreibt er (Seite 14f, 9. Auflage, Springer-Verlag):

Wenn aber Wissenschaft und Interessentenideologie ineinanderfließen, verliert die Wissenschaft ihren Wert und der Einfluss der Interessentenideologie wird verstärkt. – Oder schließlich: Man sieht nach dem Vorgang von MARX und der modernen Existenzialphilosophie im geistigen Leben nur einen Reflex der jeweiligen Lebenssituation. Dann wird zwar erkannt, dass die Meinungen und Ideologien situations- und machtgebunden sind. Aber die entscheidende Frage, ob es möglich ist sich aus dieser Situation zu befreien, wird ohne weiteres verneint. Wäre das richtig, dann fehlte der Nationalökonomie – wie jeder anderen Wissenschaft – das Lebensrecht. Sie enthielte nur einige weitere Meinungen und Interessentenideologien, von denen es doch wahrhaftig schon genug gibt. Wie also lassen sich die Zusammenhänge des konkreten wirtschaftlichen Alltags wahrhaft und unter Loslösung von interessenbestimmten, subjektiven Ansichten erklären?

Nach Eucken hat also weder das Wirken von arbeitgeber- wie auch arbeitnehmernahen Wirtschaftsinstituten einen wissenschaftlichen Wert. Denn diese sollen nicht neutrale Ergebnisse produzieren sondern Ergebnisse, welche in das Weltbild der jeweiligen Interessenten passen. Das Institut der Deutschen Wirtschaft wird also immer angebotsorientierte Wirtschaftspolitik empfehlen, das gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Institut immer Nachfrageorientierte.

Und tatsächlich trieft die Ideologie schon aus dem Vorwort zu den „Klassikern der Nationalökonomie“. Denn laut Michael Hüther gehört John Maynard Keynes zu den am meisten missverstandenen Ökonomen. Er habe seine „Allgemeine Theorie“ angesichts der Krise 1929 geschrieben, damals sei seine Diagnose mangelnder Nachfrage zutreffend gewesen. Heute jedoch sei die Angebotsseite eingeschränkt und müsse gestärkt werden. Um dem ganzen die Krone aufzusetzen(Seite11, bpb Schriftenreihe Band 611):

Wer sich mit dem Hauptwerk von Keynes vor dem Hintergrund der historischen Gegebenheiten auseinandersetzt, wird zum Schluss kommen, dass sich Keynes heutzutage nicht als Keynesianer bezeichnen würde.

Aha, und demnächst stellt das Hans-Böckler-Institut fest, dass von Hayek eigentlich kein Radikal-Liberaler war, und Gewerkschaften heute toll finden würde. Im Übrigen ist es stilistisch eine Todsünde, im Vorwort schon Behauptungen zum besten zu geben, welche dem eigentlichen Buch vorgreifen und das willkürlich und ohne Quellenangaben.

Ein interessengeleitetes Buch also, aber da es von der INSM kostenlos zur Verfügung gestellt wird kann man über eine Anschaffung durchaus nachdenken. Bei der Bundeszentrale für politische Bildung – ursprünglich Mitherausgeber – ist das Werk zum Glück nicht mehr erhältlich. Offenbar hat da jemand gemerkt, dass es hier weniger um Bildung als um Ideologie geht.

Wer sich einen wirklich umfassenden Überblick über die wichtigsten Werke der Wirtschaftswissenschaften verschaffen möchte, dem sei die „Zeit-Bibliothek der Ökonomie: Die Hauptwerke der wichtigsten Ökonomen“ empfohlen. Zum einen werden wesentlich mehr Denker und deren Werke vorgestellt, zum anderen kommt das Buch nicht im pseudowissenschaftlichen Gewand daher und von einer einseitigen Interpretation wird abgesehen. Die einzelnen Beiträge kann man kostenlos auf der Zeit-homepage nachlesen. Walter Eucken ist übrigens auch mit dabei.

Ungleichverteilung und Sozialismus

Posted in Wirtschaft & Politik with tags , on Dezember 5, 2008 by staunenundwundern

oder: wo ist eigentlich das Geld geblieben. Genau mit dieser Frage, „Wo ist das Geld geblieben?“ beschäftigt sich dieser lesenswerte ZEIT-Artikel. Auf Seite 5 findet sich ein meiner Meinung nach wichtiger Hinweis auf das Buch „The Great Crash“ von John Kenneth Galbraith

Auch Anfang der dreißiger Jahre gingen die Banken pleite, stürzten die Aktienkurse ab. Galbraith hat eine interessante Erklärung dafür: Die Reichen waren zu reich geworden.

Die wohlhabendsten 0,1 Prozent der Amerikaner besaßen damals fast 40 Prozent des gesamten Vermögens. Die Folge, so Galbraith: Viele wussten nicht, wohin mit ihrem Geld, begannen zu spekulieren, nach neuen Anlageprodukten zu suchen.

Nie wieder war der Wohlstand in den USA so ungleich verteilt wie damals. Seit einigen Jahren jedoch gleichen die Verhältnisse wieder jenen in den vermeintlich Goldenen Zwanzigern. Und wieder kam es zur großen Krise.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen ungleicher Wohlstandsverteilung und dem Zusammenbruch der Finanzmärkte wie Galbraith für den Great Crash festzustellen glaubt? Ich denke schon. Und dafür möchte ich mich ausgerechnet auf den liberalen Ökonomen Friedrich August von Hayek berufen. Der hat seine Kritik am Sozialismus im Buch „Die Anmaßung von Wissen“ formuliert. Wenn ein Staat die vergesellschafteten Produktionsmittel kontrolliert, so bestimmen einige wenige Funktionäre über die gesamte wirtschaftliche Planung obwohl ihnen die nötigen Informationen für diese Steuerung des ökonomischen Lebens fehlen. Sie, die sozialistischen Funktionäre, maßen sich also Wissen an, welches sie gar nicht haben können. Und deswegen misslingt ihnen eine hinreichende Leitung der Wirtschaft zum Wohle aller.

Wenn nun das Kapital eines Volkes von immer weniger Individuen kontrolliert wird, dann bestimmen immer weniger Menschen welche Investitionen in die Wirtschaft getätigt werden. Wir nähern uns also mit zunehmender Ungleichverteilung des Wohlstandes immer mehr der Zentralverwaltungswirtschaft des Staatssozialismus an. Wohin dieser geführt hat wissen wir ja nun: Zur Massenverelendung. 

Ich glaube, Hayek wäre entsetzt, würde er erfahren wie seine Argumente gegen den eigentlich freien Markt mit notwendiger Kapitalakkumulation gedreht werden. Aber er ruht ja schon in Frieden und bekommt diese ganze Misere die wir heute erleben nicht mehr mit.

Empfehlung: Die Bubble-Ökonomie

Posted in Wirtschaft & Politik with tags , , on Dezember 3, 2008 by staunenundwundern

In der Mai-Ausgabe der Blätter für Deutsche und Internationale Politik wurde ein lesenswerter Artikel mit dem Titel „Die Bubble-Ökonomie“ veröffentlicht. Der Autor Eric Janzen, seines Zeichens Ökonom mit langjähriger Erfahrung in der Finanzwirtschaft hatte nicht nur das Platzen der Internet-Blase 2000 vorausgesagt, sondern auch den Zusammenbruch des Immoblienmarktes in den Staaten – und das bereits 2006. Er scheint also etwas von seinem Fach zu verstehen.

Am Beginn dieses Artikel steht eine Feststellung, die so viel zu selten gemacht wird:

Bei einer Finanzblase handelt es sich um eine von Regierung, Finanzwelt und Industrie gemeinsam herbeigeführte Fehlentwicklung des Marktes, eine spekulative Wahnvorstellung, die in einen Finanzkrach und dann zur Wirtschaftskrise führt.

Es ist also nicht ausschließlich das böse Management, es ist nicht ausschließlich die abgekoppelte Finanzwirtschaft, es ist nicht ausschließlich der unfähige Staat, nein die Schuld an diesem Desaster tragen alle. Jeder hat seinen Teil zum entstehen und Platzen der Blase beigetragen. Das hin- und herschieben des schwarzen Peters ist also sinnlos.

Janzen benennt in seinem Artikel Akteure und deren Fehler und wagt sich auch an die Prognose einer zukünftigen Blase.

Viel Spass beim Lesen.

Unvollkommene Märkte I: das Fernsehen

Posted in Wirtschaft & Politik with tags , , on Dezember 3, 2008 by staunenundwundern

Der Fernsehmarkt ist nicht frei.

„Genau!“ schallt es da sofort aus dem liberalen Lager. Und die Privaten Fernsehsender stimmen ein: „Durch die Gebühren haben die Öffentlich-Rechtlichen doch einen enormen Vorteil gegenüber den armen Mitbewerbern, die auf Werbeeinnahmen angewiesen sind.“ Was also tun als Verfechter des freien Marktes? Das ZDF privatisieren wie es aus der FDP tönt? Die Gebühren kappen oder ganz abschaffen, um die Marktverzerrung zu unterbinden?

Nun, beginnen sollte man damit, eine grundlegende Frage zu stellen: Gibt es beim Fernsehen, genauer beim FreeTV überhaupt einen funktionierenden Marktmechanismus?

Was unter einem Markt zu verstehen ist sollte eigentlich jedem geläufig sein, wir schlagen denoch bei Wikipedia (oder in einem VWL-Buch der Wahl) nach:

Markt bezeichnet in der Wirtschaftswissenschaft das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage nach einem Ökonomischen Gut (einer Ware oder Dienstleistung). Der Mindestmarkt besteht aus einem Nachfrager, einem Anbieter und einem Handelsgut.

Also, diese Bedingung ist erfüllt. es gibt Anbieter – die Sendeanstalten, und es gibt Nachfrager – wir Fernsehkonsumenten. Weiter heißt es:

Das Grundprinzip des Marktes ist der Tausch. Durch Verwendung eines allgemein anerkannten Tauschmittels (zum Beispiel Geld) kann der Tausch der Güter gegen Geld (der Leistungsaustausch) zeitlich voneinander getrennt werden.

Derjenige Preis eines Gutes, der zur Übereinstimmung von angebotener und nachgefragter Menge führt, dem sogenannten Marktgleichgewicht, wird als Marktpreis bezeichnet.

Hier sollte sich jeder fragen, welchen Preis er für das Gut „Fernsehsendung“ eigentlich zahlt. GEZ-Gebühren sind eher als Eintrittsgeld zu verstehen, das zum Konsum berechtigt. Es handelt sich hierbei nicht um einen marktgerechten Preis. FreeTV ist wie der Name schon sagt kostenlos. Zu einem Marktgleichgewicht kann es ohne den Preismechanismus jedoch nicht kommen. Die privaten Fernsehsender versuchen mit ihrem Programm nicht individuelle Bedürfnisse zu befriedigen sondern das zu senden, was eine Möglichst große Zahl an Konsumenten sehen will – eine Art Befriedigung kollektivistischer Bedürfnisse, ergo Sozialismus. Die Notwendigkeit dessen ergibt sich aus der Werbefinanzierung.

Weil es keinen funktionierenden Preismechanismus gibt habe ich als Nachfrager keine Chance auf einen entsprechenden Anbieter zu treffen, wenn nicht genügend andere Nachfrager das gleiche Bedürfnis haben. Und nicht einmal dann, wenn ich bereit wäre einen hohen Preis dafür zu bezahlen.

Diese Form des Marktversagens ist technisch bedingt: Da jeder mit einem Fernsehgerät (+Sat, Kabel oder DVB-T) die Möglichkeit des Empfangs besitzt kann man keinen Marktteilnehmer von diesem ausschließen. Das Ausschlussprinzip ist jedoch notwendige Vorraussetzung für ein privates Gut und somit für dessen Handelbarkeit. Einzelne PayTV-Kanäle haben vorgemacht, was eigentlich eine wünschenswerte Entwicklung wäre. Durch die Möglichkeit Konsumenten auszuschließen wird das Fernsehen endlich zu einer Ware für die sich auf einem Markt ein Preis bilden kann. Die Umstellung auf digitales Fernsehen sollte dies für das gesamte Angebot ermöglichen. Und zwar nicht nur für Sender sondern für einzelne Sendungen. Erst wenn jeder nur noch das bezahlt was er tatsächlich konsumiert kann man von einem vollkommenen Markt sprechen. Und das sollte für einen Verfechter der Marktwirtschaft doch hehres Ziel sein, oder?

Solange kein funktionierender Marktmechanismus existiert übernehmen die Öffentlich-Rechtlichen eine wichtige Aufgabe. Sie stellen ein Angebot zur Verfügung, welches sich nicht (zumindest nicht unbedingt) an den Zuschauerzahlen orientiert. Dadurch erhalten auch Konsumenten die Chance ein passendes Programm zu finden, die nicht zum Kollektiv gehören. Freilich nur dann, wenn der Geschmack der Programmverantwortlichen  zufällig den ihren trifft.

Rürup-Rentner

Posted in Wirtschaft & Politik with tags , on Dezember 3, 2008 by staunenundwundern

zum Thema private Altersvorsorge gibt es eine schöne Glosse beim ARD-Magazin PlusMinus. Ja, waren schon tolle Ideen der Herren Rürup und Riester. Über deren Erfolge kann man sich in der FTD informieren.