Strassenhandel

Ich habe mich in den letzten Tagen redlich bemueht, Zeichen vorranschreitender Entwicklung in Sierra Leone auszumachen. Allerdings befindet sich die Wirtschaft des Landes doch in einem ziemlich desolaten Zustand. Wirklich unglaublich: In Freetown, der Hauptstadt einer Kafeebohnen exportierenden Nation ist es beinahe ein Ding der Unmoeglichkeit einen frischgebruehten Kaffee zu bekommen. Ueberwiegend wird Nescafe angeboten und der ist erstens teuer weil importiert und zweitens zumindest fuer mich eine Zumutung.

Immerhin gibt es eine Brauerei in Freetown sowie eine Softdrink-Fabrik in der neben Coca Cola auch super leckeres Bitter Lemon hergestellt wird. Die Wassertanks, welche der Versorgung der Haeuser dienen sowie Mineralwasser in Plasik eingeschweisst sind ebenfalls made in Sierra Leone. Fuer das noetigste an Getraenken ist also gesorgt.

 Auch Baustoffe werden im Land produziert, die Art zu Bauen unterscheidet sich allerdings sehr von dem was wir in Deutschland gewohnt sind. Gebaut wird immer nur wenn gerade Geld vorhanden, was regelmaessig nicht der Fall ist und daher findet man im ganzen Land Rohbauten in den den unterschiedlichsten Stadien. Man fuehlt sich an die Bauruinen in Spanien erinnert, nur dass es sich hier nicht um Ruinen handelt, ist halt alles „in progress but small small“ wie man hier sagt. Vielleicht sollten die deutschen Bausparkassen Entwicklungshilfe leisten. Zur Zierde besonders beliebt sind antik anmutende Saulen die das Dach der Veranda tragen und made in Sierra Leone sind. Wenn das Heim erstmal fertig ist soll es ja auch schmuck aussehen. Bis es soweit ist wird das Grundstueck allerdings von den Aermeren besiedelt, die hier ihre Zelte vulgo Wellblechhuetten aufschlagen.

Tja, was gibt es hier sonst noch? Eine Eisenbahn jedenfalls nicht mehr, wobei ich nicht weiss, wo diese hinverschwunden ist. Genaue Auskunft konnte mir keiner geben, angeblich wurde die gesamte Infrastruktur nach dem Krieg verscherbelt, Wiederaufbau war wohl zu teuer und die Regierung brauchte Geld um die eigenen Taschen zu fuellen. Vom Rohstoffabbau (Rutil, Bauxit, Diamanten) hat das Land nicht allzu viel, da die Minenbetreiber so gut wie keine Steuern zahlen und somit einer beliebten Tradition dieses Landes folgen.

Die meisten Leonesen leben immer noch von der Landwirtschaft. Das Hauptnahrungsmittel ist Reis, welcher zum Teil importiert werden muss, da die miese Infrastruktur den Transport von den Anbaugebieten ins dichtbesiedelte Freetown zu teuer macht. Eine Sensation sind die Fruechte, Ananas und Papayas sind so lecker, dass man sich wie im Paradies fuehlt. Die Mango-Saison hat gerade begonnen, ich freu mich schon auf meine erste.

Das Transportgewerbe ist mir einen eigenen Eintrag wert.

Wer in den obenen genannten Bereichen keine Arbeit findet und das sind eine ganze Menge Leonesen, der startet seine eigene „Enterprise“ oder betreibt „petty trading“. Grundlage von ersterem ist eine winzige Huette welche als Basis fuer den Handel mit allem dient dessen man habhaft werden kann. Hier z.B. ein Bild vom lokalen Media Markt:

Media Markt in Freetown

Fuer letzeres benoetigt man einen Korb mit dem man z.B. Kekse, Suessigkeiten, Zigaretten, Sonnenbrillen und Aehnliches auf dem Kopf spazieren traegt um dies den Passanten anzupreisen. Wer das Kapital besitzt um in eine Schubkarre und eine Machete zu investieren kann in das lukrative  Coconut-business einsteigen:

coconut business

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