Renten-Ponzi?

Ponzis Pyramidenspiel

Dezember vergangenen Jahres wurde der angesehene New Yorker Investor Bernhard L.  Madoff wegen Betrugsverdacht vom FBI festgenommen. Dem Mitbegruender der Technologieboerse NASDAQ wird vorgeworfen, mit seiner Investmentfirma ein Pyramidenspiel betrieben zu haben. Dabei seien die versprochenen Gewinne ueber immer neuen Kundeneinlagen und nicht ueber die Renditen getaetigter Investitionen finanziert worden.

Diese Form von Anlagebetrug ging erstmals als „Ponzi-Trick“ in die Geschichtsbuecher ein. Der italienische Emmigrant hatte in den USA der 20er zweimal versucht mittels eines Pyramidenspiels zu Vermoegen zu gelangen, beide male brach die Pyramide jedoch zusammen und Ponzi wanderte jeweils fuer mehrere Jahre ins Gefaengnis.

Bei einem Pyramidenspiel (synonym Schneeballsystem) oder „Ponzi-Trick“ handelt es sich um ein als Anlageverfahren getarntes Umlageverfahren. Durch hohe Rendite gekoederte Anleger werden nicht aus erwirtschafteten Gewinnen sondern mit dem Geld immer neuer Anleger ausgezahlt.  Da dadurch aber die Zahl Anspruchsberechtigter immer weiter steigt muesste die Basis neugeworbener Anleger gegen unendlich gehen um die Ansprueche zu decken. Das System bricht genau dann zusammen, wenn die auszuzahlenden Gewinne die Einlagen neuer Kunden uebersteigen.

Warum das umlagefinanzierte Rentensystem KEIN Pyramidenspiel ist

Die Tatsache, dass es sich bei einem Pyramidenspiel um ein Umlageverfahren handelt wurde sogleich von Gegnern staatlicher umlagefinanzierter Rentensysteme, vornehmlich Anhaengern der oestereichischen Schule der Oekonomie genutzt um diese als vermeintlichen „Ponzi-Trick“ zu „entlarven“ und zu diskreditieren. So schreibt Gernot Kieseritzky im Blog der eigentuemlich frei:

Vielleicht mag es den ein oder anderen Leser überraschen, aber auch das Rentensystem beruht auf dem Ponzi-Modell, das im Grunde genommen nichts anderes als ein Umlageverfahren ist. Die ausgezahlten Renten werden direkt durch die laufenden Versicherungsbeiträge finanziert, und nicht aus etwaigen, mit „eingezahlten“ Versicherungsbeiträgen erwirtschafteten Kapitalvermögen. Das geht nur solange gut, wie Einzahler und Leistungsbezieher sich die Waage halten. Seit geraumer Zeit ist das nicht mehr der Fall, weshalb das System nur durch milliardenschwere Steuerzuschüsse, die letztlich auch der Arbeitnehmer tragen muss, am Leben gehalten wurde. Die Tatsache, dass unser Rentenschneeballsystem bereits seit über fünfzig Jahren bestehen konnte, lässt sich nur dadurch erklären, dass seine Anleger zur Zahlung gesetzlich verpflichtet worden sind – auch wenn sie den Betrug längst durchschaut haben. Davon dürften Carlo Ponzi oder Bernard Madoff wohl geträumt haben.

Richtig, Ponzi-tricks sind Umlagesysteme, haben wir ja auch schon festgestellt. Allerdings besitzen sie auch Pyramidencharakter. Rentensysteme besitzen diesen nicht. Anspruch auf Rente besteht nur solange man lebt, mit dem Tod verlischt dieser. Bei einem Pyramidenspiel verlischt der Anspruch erst mit Rueckkauf der Anteilsscheine durch den Emmitenten. Der dann untergeht, wenn zu viele Anleger ihre Anteile ausbezahlt haben wollen. Bei einem Pyramidenspiel ist der Fall dass „Einzahler und Leistungsbezieher sich die Waage halten“ zwar theoretisch moeglich, praktisch jedoch nicht, da zur Koederung sehr hohe Renditen versprochen werden. Und sich genau dadurch schnell die Pyramide aufbaut, da immer mehr neue Anleger benoetigt werden um diese hohen Renditen auszubezahlen. Sprich: ein Pyramidenspiel in dem sich Einzahler und Leistungsbezieher die Waage halten waere so unattraktiv, dass gar keiner einzahlen wuerde.

Bei einem umlagefinanzierten Rentensystem ist der Fall, dass „Einzahler und Leistungsbezieher sich die Waage halten“ eigentlich die Regel. Verschiebungen gibt es natuerlich, da die Anzahl der Rentner (also Anspruchsberechtigter) aber nicht unendlich steigen kann, und diese bei ihrem Ableben also Ausstieg aus dem System auch nicht die eingezahlten Beitraege nebst Rendite zurueckfordern, kann das gesamte System von der Seite der Anspruchsberechtigen her eigentlich nicht zusammenbrechen. Und auch die Anzahl der Arbeitenden, sprich der Einzahler kann nicht gegen null gehen, oder kann sich jemand ausser ein paar Libertaeren, die den wohlfahrtsstaatsverschuldeten Untergang der Arbeitswelt schon seit Jahren herbeireiden, vorstellen, dass keiner mehr Arbeitet und in das Rentensystem einbezahlt. Sinkt die Arbeitslosigkeit, steigen die Loehne, dann ist es auch um die Finanzierung der Rente besser gestellt, bei Massenarbeitslosigkeit und Lohnstagnation muessen eben zusaetzlich Steuermittel aufgebracht werden. Aber um ein „Rentenschneeballsystem“ handelt es sich bei unserer Gesetzlichen Rentenversicherung nicht, sorry Herr Kieseritzky, das ist totaler Unsinn, da haette schon ein Blick in die wikipedia genuegt:

Als Schneeballsystem oder Pyramidensystem werden Geschäftsmodelle bezeichnet, die zum Funktionieren eine ständig wachsende Zahl Teilnehmer benötigen. Gewinne für Teilnehmer entstehen beinahe ausschließlich dadurch, dass neue Teilnehmer einsteigen und Geld investieren.

Es ist schon erstaunlich, dass gerade jetzt, da etliche private Rentenfonds von der Pleite bedroht sind, das gesetzliche Rentensystem so diskreditiert werden soll.

Advertisements

8 Antworten to “Renten-Ponzi?”

  1. „Sprich: ein Pyramidenspiel in dem sich Einzahler und Leistungsbezieher die Waage halten waere so unattraktiv, dass gar keiner einzahlen wuerde.“

    Richtig, deswegen kann eine private Rentenversicherung eben nicht auf ein Umlageverfahren bauen. Das staatliche Rentensystem funktioniert nur, weil die „Spieler“ zur Zahlung gezwungen werden, genauso wie ihre Kinder und Kindeskinder. Aber das macht diesen organisierten Anlagebetrug gegenüber Ponzi, Madoff & Co nicht moralisch überlegen.

  2. staunenundwundern Says:

    @madoff

    Eine Rentenversicherung kann sehr wohl auf dem Umlageverfahren bauen, eben weil es sich hierbei NICHT um ein Pyramidenspiel handelt. Das wollte ich in dem Beitrag zeigen.

    Ja, eine Welt ohne Zwang waere viel toller, allerdings waere mein Geld dann weg, wenn mein Geld falsch z.B. in amerikanische Immobilien angelegt wurde. In meinem ersten Beitrag habe ich auf einen solchen Fall hingewiesen. Ausserdem muss die Rendite der Rentenfonds ja auch irgendwie erwirtschaftet werden. Wenn der Fonds, dem ich meine Rente anvertraue davon Teile der Firma kauft, in der ich Arbeite, so kann die Rendite z.B. durch Lohnkuerzung erhoeht werden. Dann bezahle ich meine Rente durch meine Beitraege und durch den Lohnverzicht, der mir vom Rentenfonds aufgezwungen wurde. Ausserdem bezahle ich auch noch den Bonus des Fondmamagers, der auf die glorreiche Idee gekommen ist, meinen Lohn zu Kuerzen um meine Rente zu sichern.

    Ist genau so schon vorgekommen, bei der Telekom, kann man in dem Buch „Geld arbeitet nicht“ von Hauke Fuerstenwerth nachlesen.

    Merken Sie was? Genau, das Geld fuer die Rentner muss immer von der arbeitenden Generation erwirtschaftet werden. Bei privaten Rentenfonds muss man aber noch das kostenintensive Management mitbezahlen.

  3. „Merken Sie was? Genau, das Geld fuer die Rentner muss immer von der arbeitenden Generation erwirtschaftet werden. Bei privaten Rentenfonds muss man aber noch das kostenintensive Management mitbezahlen.“

    Kostenintensives Management? Was kostet denn bitte schön das „Management“ der staatlichen Rentenversicherung??!! Die Renditen des staatl. Systems sind im Vergleich zu privaten RV-Modellen sehr mickrig — real sind da vielleicht 1% p.a. drin.

    Mal abgesehen davon ist ihre Analogie falsch: Wenn ich Geld in einen Rentenfonds zahle, dann handelt es sich hierbei um einen freiwilligen Tausch, sprich Handel, von dem beide profitieren: Ich tausche Geld, was ich gegenwärtig entbehren kann, gegen Geld in der Zukunft + Zinsen — das Geld geht an jemandem, der es dringender brauche als ich und damit sinnvolle wirtschaftliche Projekte finanzieren kann. Ein Fondsmanager ist nur Mittelsmann und verdient letztlich an der Zinsspanne zwischen Zinsen, die ich erwarte, und denen, die mein Schuldner aufzubringen bereit ist. Die Fondsgebühren sind nicht das, was den Mangern den Gewinn bringt.

    Wie sie sehen profitieren am Tausch der Fondsmanger, mein Schuldner und ich selbst — insgesamt haben wir eine volkswirtschaftliche Gewinnsituation. Beim staatlichen RV-System wird das vorhandene Geld dagegen einfach durch die Rentner verkonsumiert. Ein sehr ineffizientes System.

  4. staunenundwundern Says:

    „Die Renditen des staatl. Systems sind im Vergleich zu privaten RV-Modellen sehr mickrig — real sind da vielleicht 1% p.a. drin.“

    Da es sich bei der staatlichen Rente um ein Umlagesystem handelt ist ueberhaupt keine „Rendite drin“, auch nicht nur 1%. Die Kosten, die fuer die Verwaltung der GRV anfallen sind prozentual geringer als die Kosten die bei einem privaten Rentenfonds anfallen.

    Dass es sich bei dem Rentenfonds um einen freiwilligen Tausch handelt, bezweifle ich gar nicht, ob alle davon profitieren jedoch schon. Das haengt ganz davon ab, wie gut der Fondmamger mein Geld anlegt. Wenn er es schlecht angelegt hat, dann ist meine Rente futsch. Bloed, wenn der Staat dann fuer die Rente einspringt, denn dann lernt niemand aus seinen Fehlern.

    „…das Geld geht an jemandem, der es dringender brauche als ich und damit sinnvolle wirtschaftliche Projekte finanzieren kann.“

    Rentenfonds legen einen nicht unerheblichen Teil des ihnen anvertrauten Geldes in langfristige Staatsanleihen an. Sie werden ja wohl nicht behaupten wollen, dass der Staat so dringend Geld braucht, dass er Schulden aufnehmen muss. Wuerde mich wundern, so wie Sie bisher argumentieren.

    Und was die sinnvollen Wirtschaftlichen Projekte betrifft: gehoert auch Haeuser bauen in den USA dazu (siehe den link bei meinen ersten Beitrag)? Mein Beispiel mit der Telekom ist auch nicht aus der Luft gegriffen, wo ist denn da die win-win-Situation.

    Sie argumentieren – tut mir leid – wie es im Wirtschaftswunderland der Oekonomie-Lehrbuecher geschrieben steht. Pleiten, Pech und Pannen gehoeren aber zum wirtschaftlichen Leben mit dazu. Der Vorteil eines Umlagesystems liegt eben darin, dass es relativ resistent gegenueber einzelnen Ausfaellen ist, eben weil die gesamte arbeitende Bevoelkerungfuer alle Rentenbezieher aufkommt.

    Aber eigentlich moechte ich die GRV gar nicht so loben. Mir schwebt ohnehin ein anderes Sozialversicherungskonzept vor. Ich wollte mit diesem Beitrag, wie schon gesagt nur zeigen, dass die Behauptung GRV = Ponzi-Pyramide Unsinn ist, eben weil die Ansprueche nicht kumulieren.

  5. ~ Halbgott ~ Says:

    „Ich wollte mit diesem Beitrag, wie schon gesagt nur zeigen, dass die Behauptung GRV = Ponzi-Pyramide Unsinn ist, eben weil die Ansprueche nicht kumulieren.“

    Doch. Das dt. GRV-System wurde zum Ponzi-Spiel und zwar weil … genau folgendes:

    „Bei einem umlagefinanzierten Rentensystem ist der Fall, dass “Einzahler und Leistungsbezieher sich die Waage halten” eigentlich die Regel.“

    … eben NICHT zutrifft ! … die reudigen Politclowns haben es mind. 20 Jahre lang versäumt die Rentenversprechen und -Auszahlungen an die demographischen Fakten anzupassen. Sie wollten halt die Rentner nicht als Wähler verlieren. Bekanntlich reduziert sich die Zahl der Werktätigen, die einen Rentner mit ihrer Arbeitsleistung mit durchfüttern müssen drastisch.

    „Da es sich bei der staatlichen Rente um ein Umlagesystem handelt ist ueberhaupt keine “Rendite drin”, auch nicht nur 1%. “

    Richtig, so SOLLTE es eigentlich sein. Das Blöde: die staatl. Rentenversicherung behauptet, dass die heutigen Rentner tatsächlich eine Rendite von bis zu 3% auf ihre früheren Einzahlungen erhalten :-(( … da fragt man sich als junger Mensch schon, wo diese Rendite denn herkommt. Das unsere rente in jahrzehnten allenfalls noch eine minimale Grundsicherung betragen wird, ist eh klar !

    Damit ein umlagefinanziertes Rentensystem funktioniert, müssen halt unbedingt die Einzahlungen und Auszahlungen stetig an die demografische und ökonomische Realität angepasst werden !!

    • Auszahlungen werden nicht an die ökonomischen Realitäten angepasst werden können, da die Rentner + die Berufstätigen in den letzten Jahren vor der Rente die Wählermehrheit haben.

      Aus diesem Grund wird die GRV aus dem gleichen Grunde platzen wie ein Ponzi Schema: Es gibt zu wenig neue Beitragszahler. Die Jungen werden entweder emigrieren oder schwarz arbeiten, um sich den horrenden Zahlungen zu entziehen.

  6. staunenundwundern Says:

    hallo halbgott,

    nein, die GRV ist kein Ponzi-Spiel, dazu muessten die Ansprueche kumulieren und letztlich gegen Unendlich gehen.

    Ansonsten stimme ich Dir schon zu, Du hast noch den Punkt vergessen, dass dem Westdeutschen Rentensystem auch noch die ostdeutschen Rentner aufgebuerdet wurden. Es wurde viel falsch gemacht und es gibt viel zu kritisieren.

    Nur kotzt es mich an, wenn man dann anhand eines aktuellen Falles von Anlagebetrug dies nutzt um die GRV praktisch (und faelschlicherweise) damit gleichzusetzen. Das ist eigentlich erbaermlich, und ist im Falle der eigentuemlich frei und des Mises-Instituts nur durch pathologischen Staatshass und nicht durch oekonomischen Sachverstand zu erklaeren.

  7. Es gibt sicher ein paar Unterschiede der GRV zu Ponzi’s speziellem Trick, aber ebenso wie bei Ponzi wird es irgendwann eine letzte Generation von Anlegern geben, die angeschmiert ist, denn auch dieses System setzt auf steigende Zahlen von „Beitragszahlern“. Bei einer Geburtenrate von 1.4 muss diese Zahl letztlich fallen. Wenn die geburtenstarken Jahrgänge der 1960er in Rente geht, wird die Last auf das System so gross werden, dass es nicht mehr haltbar ist. Wenn es dennoch versucht wird, dann wird die Konsequenz weiter fallende Geburtenraten und Emigration sein. Spätestens dann wird das Ende der Fahnenstange erreicht sein.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: