Rattenplage in Berlin

oder: wie die posierlichen Nager die wirtschaftspolitische Inkompetenz bei der FDP entlarven

Gerade habe ich gelesen, dass Berlin im Dezember von einer Rattenplage biblischen Ausmasses heimgesucht wurde. Und prompt stand die FDP Beifuss um mit einer marktwirtschaftlichen Loesung dieses Problems aufzuwarten. Konkret hatte Henner Schmitt, der Vorsitzende der FDP Berlin Mitte vorgeschlagen, mittels einer Fangpraemie von 1 € Anreize zur Treibjagd auf die Stoerenfriede zu  schaffen. Seiner Meinung nach koennten gerade die Mitbuerger von diesem System profitieren, welche sich ihr HartzIV-Taschengeld normalerweise mit dem Sammeln von Pfandflaschen aufbessern.

Mittlerweile, nach Protesten u.a. von Arbeitslosenverbaenden, wurde der Vorschlag laengst wieder zurueckgezogen. Aber nicht weil es oekonomisch gesehen Unsinn ist eine Praemie fuer erlegte Ratten zu zahlen, sondern menschenverachtend auch nur in Erwaegung zu ziehen Arbeitslosen die Jagd auf Nager als Einkommensquelle zu erschliessen.

Ueber die Idiotie seines Vorschlages haette Herr Schmitt z.B. bei dem britischen Schriftsteller Terry Pratchett lesen koennen. Als Ankh-Morpork, die Hauptstadt der von ihm erdachten Scheibenwelt unter einer Rattenplage litt, hatten die Stadtoberen genau den selben glorreichen Gedanken wie unser FDP-Vorsitzender. Fuer jeden Rattenschwanz zahlten sie 5 cent. Jedoch wurde im weiteren Verlauf die Plage immer schlimmer, bis die Regierung keinen anderen Ausweg mehr wusste als die zahlreichen neu entstandenen Rattenfarmen zu besteuern. Der Humorist und Fantasy-Autor beschreibt sehr eindruecklich, wie gut gemeinte oekonomische Anreize zum Gegenteil des gewuenschten Ergebnisses fuehren. 

Darueber hinaus hat Herr Schmitt auch nicht bedacht: Wuerden alle Berliner Arbeitslosen damit anfangen Ratten zu zuechten, dann waere dies das Ende des Pfandsystems der Hauptstadt.

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2 Antworten to “Rattenplage in Berlin”

  1. partikelfg Says:

    Ohne solche Verfehlungen wäre die Welt doch viel langweiliger…

  2. Der Herr Terry Pratchett hat für seine Geschichte eine Anleihe bei einem tatsächlichen Vorfall gamacht. Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Kobraeffekt

    Nun wäre diese Geschichte – mal vorgestellt, dass der Vorschlag in die Tat umgesetzt worden wäre – sicher anders verlaufen als in der Erzählung von Terry Pratchett, da die berliner Arbeitslosen nicht über den Tatendrang verfügen Rattenfarmen zu bauen noch könnten sie dies ohne die Hilfe vom Staat. Wir hätte eine beispiellose Entwicklung von NGO erlebt, die sich – auf Steurzahlerkosten – am Bau der Rattenfarmen beteiligt hätten. Wie man die Ratten dann umweltverträglich und im Einklang mit der Tierschutz entsorgt hätte, hätte ich allzugern gesehen.

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