Archiv für Januar, 2010

Move your Money

Posted in Wirtschaft & Politik with tags , , , , on Januar 31, 2010 by staunenundwundern

Dieser Artikel stellt KEINE Anlageempfehlung dar. Sie sollten niemals auf solche Menschen hören, die Wunder mit und an ihrem Geld vollbringen wollen. Immer erst selbst informieren und anschließend eigenverantwortlich entscheiden.

Durch das blog Nationale Schulden bin ich auf einen interesante Idee gestossen, die gerade in den USA verbreitet wird: „Move your Money“! Dies besagt nichts weiter, als dass man seine Konten bei den großen Banken – den „Global Playern“ auflösen sollte um sein Geld bei regionalen „community banks“ anzulegen. Ich denke, diese sind so etwas wie Sparkassen in den USA.

Dazu gibt es auch ein nettes youtube-Video:

Diese Idee ist durchaus bedenkenswert. Die jüngste Finanzkrise hat mehrere Dinge gezeigt: Eine vernünftige Regulation der globalen Finanzströme ist nicht möglich. Und: Es ist ebenso unmöglich, für geradezu aberwitzige Summen die beste Anlagemöglichkeit weltweit zu finden. Ohne die massive und meiner Meinung nach kriminelle Intervention der Staaten wären wohl die meisten Großbanken Pleite gegangen. Zumindest in Deutschland wären wohl am ehesten noch die Genossenschaftsbanken und Teile der Sparkassen unbeschadet aus der Krise hervorgegangen. Also handelt man auch im Eigeninteresse, wenn man sein Geld bei kleinen Instituten anlegt.

Gerade für die Linken würde sich ein solcher Schritt geradezu anbieten: Anstatt eine weltweite Demokratisierung der Finanzmärkte zu fordern (wie denn?), lieber ein Konto bei der Sparkasse eröffnen. Diese ist öffentlich-rechtlich und man kann auf kommunaler Ebene demokratische Kontrolle ausüben. Anstatt die Verstaatlichung von Banken zu fordern (also ob der Staat besser könnte), doch einfach Miteigentümer einer Genossenschaftsbank werden. Die MLPD streitet vor Gericht immer noch dafür, dass sie Konten bei den Bankkonzernen führen darf, anstatt sich mal auf die sozialistischen Wurzeln zu besinnen. Na, wem nicht zu helfen ist…

Allen anderen empfehle ich, sich über die Move your Money-Initiative in den USA zu informieren und die eigenen Schritte zu überdenken.

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Was ist Produktivität und wie lässt sie sich messen?

Posted in Wirtschaft & Politik with tags , , on Januar 31, 2010 by staunenundwundern

Im Zuge der von Peter Sloterdijk ausgerufenen „Revolution der gebenden Hand“ wurde der Karlsruher Paradephilosoph erstmals auch vom selbsternannten Zentralorgan des libertären Konservatismus (oder konservativen Libertarismus) Eigentümlich frei bemerkt. Diese Zeitschrift gefiel sich sonst eher darin Intelektuelle, die nicht gerade der „Östereichischen Schule“ angehörten zu ignorieren bzw. als linke Brandstifter darzustellen.

Nun hat Sloterdijk den Staat als ein „geldsaugende Ungeheuer“ von „beispielloser Dimension“ verortet, was natürlich genauso auf ef-Magazin-Linie liegt wie die Behauptung einer „Enteignung durch Einkommensteuer“.  Sloterdijk konstatiert: „Inzwischen hat man sich längst an Zustände gewöhnt, in denen eine Handvoll Leistungsträger gelassen mehr als die Hälfte des nationalen Einkommensteuerbudgets bestreitet.“ und weiter „Voll ausgebaute Steuerstaaten reklamieren jedes Jahr die Hälfte aller Wirtschaftserfolge ihrer produktiven Schichten für den Fiskus, ohne dass die Betroffenen zu der plausibelsten Reaktion darauf, dem antifiskalischen Bürgerkrieg, ihre Zuflucht nehmen.“

Ist es aber tatsächlich so, dass eine handvoll Leistungsträger mehr als die Hälfte des nationalen Einkommens bestreiten? Erstmal wird man feststellen: Klar, den entsprechenden Graphen des Einkommenssteueraufkommens nach Einkommensgruppen findet man bei Wikipedia, und es wird sofort ersichtlich, dass das nach Einkommen reichste Zehntel der Bevölkerung 50% der Einkommenssteuer bezahlt.

Nun ist das an sich ja eine interessante Debatte – die Ausbeutung der Produktiven. Allerdings hat diese bei mir eher die Frage aufgeworfen, ob und gegebenefalls wie man Produktivität messen kann. Sloterdijk schein zu implizieren – so zumindest meine Vermutung anhand der oben genannten Zahlen – dass diejenigen, die besonders produktiv sind die größte Steuerlast zu tragen hätten. Konsequent schreibt er auch „Tatsächlich besteht derzeit gut die Hälfte jeder Population moderner Nationen aus Beziehern von Null-Einkommen oder niederen Einkünften, die von Abgaben befreit sind und deren Subsistenz weitgehend von den Leistungen der steueraktiven Hälfte abhängt.“ Halten wir also fest: Der Erhalt auch derjenigen, die niedrige Einkommen auf dem Markt erzielen, hängt von den „produktiven Leistungsträgern“ ab. Das klingt so, als wäre der Beitrag den die gering entlohnten Arbeiter zur Prosperität einer Volkswirtschaft leisten vernachlässigbar.

Sloterdijk macht an dieser Stelle den Fehler, ein hohes Einkommen mit einer hohen Produktivität gleichzusetzten und niedriges Einkommen entsprechend mit einer geringen Produktivität. Dies ist jedoch grundlegend falsch. Weiter ist es falsch, die Menschen, die nur niedrige Einkommen erzielen und deshalb keine Steuern zahlen genauso als von den produktiven Steuerzahlern mitgetragen zu bezeichnen wie die reinen Transferempfänger. Ich möchte den so nicht vorhandenen Zusammenhang von Lohn und Produktivität anhand eines fiktiven Beispiels darlegen:

Ein Betriebsleiter (so nannte man Manager früher) verdient 15.000 € im Monat, seine Sekretärin 3.000 €, die Reinigungskraft, die sein Büro sauber hält 1.500 € (die Zahlen sind ebenso ganz fiktiv gewählt). Kann man sagen dass der Betriebsleiter fünf mal produktiver ist als seine Sekretärin und zehn mal produktiver als die Reinigungskraft? Nein, kann man nicht, denn die drei Protagonisten sind arbeitsteilig und als Einheit produktiv tätig. Wenn der Betriebsleiter seine gesamte Terminplanung und Aktensichtung selbst erledigen UND dazu noch sein Büro putzen müsste, dann wäre er bestimmt weniger produktiv als er es in einer welt der Arbeitsteilung tatsächlich ist. Alle drei tragen also gleichermaßen dazu bei, dass der Betrieb floriert. So weit, so trivial.

Der Lohn, den jemand für eine Arbeit erhält richtet sich danach, wie knapp seine entsprechende Profession auf dem Arbeitsmarkt ist. Gäbe es nun einen absoluten Überschuss an Betriebswirten, noch dazu alle mit Harvard-Diplom, aber nur eine Person, die weiss wie man effektiv putzt, dann würde letztere sicherlich fürstlich entlohnt, während erstere froh sein könnten überhaupt eine Anstellung zu erhalten (und womöglich auch noch selber putzen müssten, weil sich die Firma die profesionelle Reinigungskraft gar nicht leisten können).

Wir sollten uns demnach von der Vorstellung verabschieden, dass diejenigen, die besonders viel verdienen auch im gleichen Maße produktiver sind als ihre Kollegen. Ihr Fachwissen ist einfach knapper, weniger leicht auf dem Arbeitsmarkt zu finden. Wenn Sloterdijk (den ich schon immer geschätzt habe) meint, dass wir durch den progressiven Steuersatz diejenigen am stärksten belasten, die am produktivsten sind, dann ist dies einfach ein Fehlschluss. Es werden diejenigen am höchsten besteuert, deren Arbeitskraft am meisten nachgefragt und am wenigsten angeboten wird.

Ich finde die unterschiedliche Entlohnung moralisch auch überhaupt nicht verwerflich, immerhin kostet es Zeit und Anstrengung sich unentbehrlich zu machen. Man sollte jedoch immer im Hinterkopf behalten: Gäbe es all die Menschen die niedrig entlohnte Arbeit machen nicht, dann müssten all die hochbezahlten Leistungsträger diese Arbeit selbst machen. Ihre Produktivität würde sinken, und somit auch der Lohn, den das Unternehmen für ihre Arbeit zahlen kann.

Damit will ich übrigens nicht den Steuerstaat verteidigen. Ich bin jedoch der Meinung, dass man diesem Denkschema: „Hohes Einkommen = Hoher Produktivität“ durchaus etwas entgegen setzten sollte. Man denke nur ans Investmentbanking der letzten Jahre:

Hohe Lohneinkünfte bei negativer Produktivität 🙂