Archiv für Banken

Petition an den Deutschen Bundestag zur Geldschöpfung

Posted in Wirtschaft & Politik with tags , , , , on Februar 26, 2010 by staunenundwundern

Ich habe eine Petition an den Deutschen Bundestag mitgezeichnet: Bankenwesen – Geldschöpfung durch den Staat, von deren Inhalt ich eigentlich nicht so sehr überzeugt bin. Es heisst dort:

Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass das Finanzsystem so zu verändern ist, dass nicht mehr die Banken das Geld durch Kredite schöpfen, bei einer Kapitaldeckung von gerade einmal 8%, sondern der Staat das Geld selbst schöpft und in angemessenem Umfang im öffentlichen Interesse in Umlauf bringt, bzw. ausgibt.

Mich stört insbesondere der Ausdruck „in angemessenem Umfang im öffentlichen Interesse“. Denn wie sollte es einer staatlichen Institution möglich sein, den „angemessenen Umfang“ der Geldmenge zu bestimmen? Darüber schweigt sich die Petition aus.

Sicher, die Geldschöpfung durch Kreditvergabe der Geschäftsbanken sehe ich auch als ein Problem an und möchte mich dabei auf Walter Eucken berufen. Dieser schreibt in seinen „Grundlagen der Nationalökonomie“ (S. 258 ff.):

Wie erklärt sich die monetäre Unstabilität? – Hauptsächlich daraus, dass die Banken zu Münzstätten wurden. Seit dem 18. Jahrhundert ist es in wachsendem Maße dahin gekommen, dass Geld durch Akter der Kreditgewährung von Banken entsteht und bei der Rückzahlung von Krediten an die Banken verschwindet; so die Banknoten und das Giralgeld der Zentralbanken sowie das Giralgeld der privaten Banken. […] Mit Schwankungen im Volumen der Bankkredite verändert sich auch die Geldmenge. […]Wie sehr diese Elastizität des Geldes die Investitionstätigkeit im Zeitalter der Industrialisierung gefördert hat ist oft geschildert worden. Ohne sie wäre die Industrialisierung langsamer vorangerückt. Aber zugleich liegt hier der Ursprung der Unstabilität des Geldes, der Tendenz inflationistischer Ausdehnung und deflationistischer Zusammenziehung der Geldmenge. Die Geldversorgung wurdevon der jeweiligen Liquidität und Kreditbereitschaft der Banken und zugleich auch von der Kreditnachfrage, also von der Investitionsneigung der Unternehmer abhängig. Sparen führte im Rahmen dieser Geldordnung nicht in allen Formen zu einer entsprechenden Ausdehnung der Kreditgewährung der Banken.

Ist jedoch eine rein staatlich gesteuerte Geldmenge die Lösung dieses Problems der Instabilität? Eucken bezweifelt dies. Weiter schreibt er:

Die staatlichen Zentralstellen, welche die Kreditpolitik bestimmen und welche über große Machtmittel verfügen müssten, würden in den alltäglichen Wirtschaftsprozessunmittelbar eingreifen. Würden sie genug Kraft und Mäßigung besitzen, um sich auf die Herstellung des Gleichgewichts zwischen Sparen und Kredit zu beschränken?

So wie wir unsere Politiker kennen, scheinen diese Zweifel absolut berechtigt. Doch Eucken bietet eine Möglichkeit an, wie Geldschöpfung praktisch automatisch verläuft, ohne dass sie durch den Staat oder die privaten Banken manipuliert werden könnte. Er geht davon aus, dass sich eine Zentralbank, die ohne Menschliches Zutun die Entscheidung über die Geldmenge trifft, gemeinsam mit einer 100%-Reserve der Geschäftsbanken stabilisierend auf die Geldmenge auswirken würde. Eucken befürwortet den Plan einer „Waren-Reserve-Währung“:

Eine Zentrale Agentur kauft und verkauft ein bestimmtes Bündel von Waren, richtiger: von Lagerhauszertifikaten dieser Waren, zu einem festen Preis. […] Zwar könne sich die einzelnen Preise verändern; aber der Preis des gesamten Bündels, also der „Wareneinheit“, bliebe gleich. Und zwar würde die Agentur, die neues Geld in den Verkehr bringt, an allen diesen Warenmärkten sofort kaufen, sobald sie die Wareneinheit (Anmerkung: deren Preis auf 100$ fixiert ist) zu 95$ erwerben kann, und sie würde sofort verkaufen, sobald die Möglichkeit besteht, die Wareneinheit zu etwa 105$ zu veräußern. Dabei würde die Agentur eine aktive Haltung auf den Märkten einnehmen.

Diese Waren-Reserve-Währung wäre im Prinzip wie eine goldgebundene Währung, nur dass sie eben an den Wert vieler und nicht nur einer Ware gebunden ist. Eucken erhofft sich davon wie gesagt eine Stabilisierung der Geldmenge und somit der Wirtschaft. Ich selbst kann das schwer beurteilen, ich bin nun mal kein Ökonom, ich würde mich aber über eine Diskussion darüber freuen. Ich selbst finde immer noch diesen Vorschlag am vielversprechensten.

Am 11.03. dieses Jahres (also schon bald) endet die Zeichnungsfrist dieser Petition. Vielleicht finden sich noch ein paar Mitzeichner. Nicht unbedingt, weil der Vorschlag jetzt besonders gut wäre. Sondern weil er den Gedanken stützt, das unser jetziges Geldsystem nicht das Nonplusultra ist.

Move your Money (Teil 2)

Posted in Wirtschaft & Politik with tags , , , on Februar 18, 2010 by staunenundwundern

Auch die Tagesschau hat jetzt einen Artikel über die „Move your Money“-Kampagne in den USA gemacht. immerhin ist das Thema auch in der etablierten Presse angekommen. Danke an Herrn Teddy für den Hinweis.

Move your Money

Posted in Wirtschaft & Politik with tags , , , , on Januar 31, 2010 by staunenundwundern

Dieser Artikel stellt KEINE Anlageempfehlung dar. Sie sollten niemals auf solche Menschen hören, die Wunder mit und an ihrem Geld vollbringen wollen. Immer erst selbst informieren und anschließend eigenverantwortlich entscheiden.

Durch das blog Nationale Schulden bin ich auf einen interesante Idee gestossen, die gerade in den USA verbreitet wird: „Move your Money“! Dies besagt nichts weiter, als dass man seine Konten bei den großen Banken – den „Global Playern“ auflösen sollte um sein Geld bei regionalen „community banks“ anzulegen. Ich denke, diese sind so etwas wie Sparkassen in den USA.

Dazu gibt es auch ein nettes youtube-Video:

Diese Idee ist durchaus bedenkenswert. Die jüngste Finanzkrise hat mehrere Dinge gezeigt: Eine vernünftige Regulation der globalen Finanzströme ist nicht möglich. Und: Es ist ebenso unmöglich, für geradezu aberwitzige Summen die beste Anlagemöglichkeit weltweit zu finden. Ohne die massive und meiner Meinung nach kriminelle Intervention der Staaten wären wohl die meisten Großbanken Pleite gegangen. Zumindest in Deutschland wären wohl am ehesten noch die Genossenschaftsbanken und Teile der Sparkassen unbeschadet aus der Krise hervorgegangen. Also handelt man auch im Eigeninteresse, wenn man sein Geld bei kleinen Instituten anlegt.

Gerade für die Linken würde sich ein solcher Schritt geradezu anbieten: Anstatt eine weltweite Demokratisierung der Finanzmärkte zu fordern (wie denn?), lieber ein Konto bei der Sparkasse eröffnen. Diese ist öffentlich-rechtlich und man kann auf kommunaler Ebene demokratische Kontrolle ausüben. Anstatt die Verstaatlichung von Banken zu fordern (also ob der Staat besser könnte), doch einfach Miteigentümer einer Genossenschaftsbank werden. Die MLPD streitet vor Gericht immer noch dafür, dass sie Konten bei den Bankkonzernen führen darf, anstatt sich mal auf die sozialistischen Wurzeln zu besinnen. Na, wem nicht zu helfen ist…

Allen anderen empfehle ich, sich über die Move your Money-Initiative in den USA zu informieren und die eigenen Schritte zu überdenken.