Archiv für Fernsehen

Unvollkommene Märkte I: das Fernsehen

Posted in Wirtschaft & Politik with tags , , on Dezember 3, 2008 by staunenundwundern

Der Fernsehmarkt ist nicht frei.

„Genau!“ schallt es da sofort aus dem liberalen Lager. Und die Privaten Fernsehsender stimmen ein: „Durch die Gebühren haben die Öffentlich-Rechtlichen doch einen enormen Vorteil gegenüber den armen Mitbewerbern, die auf Werbeeinnahmen angewiesen sind.“ Was also tun als Verfechter des freien Marktes? Das ZDF privatisieren wie es aus der FDP tönt? Die Gebühren kappen oder ganz abschaffen, um die Marktverzerrung zu unterbinden?

Nun, beginnen sollte man damit, eine grundlegende Frage zu stellen: Gibt es beim Fernsehen, genauer beim FreeTV überhaupt einen funktionierenden Marktmechanismus?

Was unter einem Markt zu verstehen ist sollte eigentlich jedem geläufig sein, wir schlagen denoch bei Wikipedia (oder in einem VWL-Buch der Wahl) nach:

Markt bezeichnet in der Wirtschaftswissenschaft das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage nach einem Ökonomischen Gut (einer Ware oder Dienstleistung). Der Mindestmarkt besteht aus einem Nachfrager, einem Anbieter und einem Handelsgut.

Also, diese Bedingung ist erfüllt. es gibt Anbieter – die Sendeanstalten, und es gibt Nachfrager – wir Fernsehkonsumenten. Weiter heißt es:

Das Grundprinzip des Marktes ist der Tausch. Durch Verwendung eines allgemein anerkannten Tauschmittels (zum Beispiel Geld) kann der Tausch der Güter gegen Geld (der Leistungsaustausch) zeitlich voneinander getrennt werden.

Derjenige Preis eines Gutes, der zur Übereinstimmung von angebotener und nachgefragter Menge führt, dem sogenannten Marktgleichgewicht, wird als Marktpreis bezeichnet.

Hier sollte sich jeder fragen, welchen Preis er für das Gut „Fernsehsendung“ eigentlich zahlt. GEZ-Gebühren sind eher als Eintrittsgeld zu verstehen, das zum Konsum berechtigt. Es handelt sich hierbei nicht um einen marktgerechten Preis. FreeTV ist wie der Name schon sagt kostenlos. Zu einem Marktgleichgewicht kann es ohne den Preismechanismus jedoch nicht kommen. Die privaten Fernsehsender versuchen mit ihrem Programm nicht individuelle Bedürfnisse zu befriedigen sondern das zu senden, was eine Möglichst große Zahl an Konsumenten sehen will – eine Art Befriedigung kollektivistischer Bedürfnisse, ergo Sozialismus. Die Notwendigkeit dessen ergibt sich aus der Werbefinanzierung.

Weil es keinen funktionierenden Preismechanismus gibt habe ich als Nachfrager keine Chance auf einen entsprechenden Anbieter zu treffen, wenn nicht genügend andere Nachfrager das gleiche Bedürfnis haben. Und nicht einmal dann, wenn ich bereit wäre einen hohen Preis dafür zu bezahlen.

Diese Form des Marktversagens ist technisch bedingt: Da jeder mit einem Fernsehgerät (+Sat, Kabel oder DVB-T) die Möglichkeit des Empfangs besitzt kann man keinen Marktteilnehmer von diesem ausschließen. Das Ausschlussprinzip ist jedoch notwendige Vorraussetzung für ein privates Gut und somit für dessen Handelbarkeit. Einzelne PayTV-Kanäle haben vorgemacht, was eigentlich eine wünschenswerte Entwicklung wäre. Durch die Möglichkeit Konsumenten auszuschließen wird das Fernsehen endlich zu einer Ware für die sich auf einem Markt ein Preis bilden kann. Die Umstellung auf digitales Fernsehen sollte dies für das gesamte Angebot ermöglichen. Und zwar nicht nur für Sender sondern für einzelne Sendungen. Erst wenn jeder nur noch das bezahlt was er tatsächlich konsumiert kann man von einem vollkommenen Markt sprechen. Und das sollte für einen Verfechter der Marktwirtschaft doch hehres Ziel sein, oder?

Solange kein funktionierender Marktmechanismus existiert übernehmen die Öffentlich-Rechtlichen eine wichtige Aufgabe. Sie stellen ein Angebot zur Verfügung, welches sich nicht (zumindest nicht unbedingt) an den Zuschauerzahlen orientiert. Dadurch erhalten auch Konsumenten die Chance ein passendes Programm zu finden, die nicht zum Kollektiv gehören. Freilich nur dann, wenn der Geschmack der Programmverantwortlichen  zufällig den ihren trifft.

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