Archiv für Islam

God bless Salone

Posted in Sierra Leone with tags , , , , , on Januar 15, 2009 by staunenundwundern

Gestern Abend hatte ich das Vergnuegen an einem original afrikanischen Gottesdienst teilzunehmen. Wir wurden von einem Freund in die „Church of Salvation“ eingeladen. Diese wurde von einem Leonesen im Jahre des Herrn 1948 gegruendet und erfreut sich seither hier und auch in den Nachbarlaendern wachsender Beliebtheit.

Die Maenner mussten lange Hosen tragen, die Frauen Kopftuch, das Gotteshauses (im ersten Stock eines Gebaeudes, was ich so auch noch nicht gesehen habe) durfte nur mit nackten Fuessen betreten werden und die Geschlechter sassen natuerlich getrennt. Zum Gebet haben wir uns auf den blanken Boden gekniet, einige haben sich auch Flach auf demselben ausgestreckt. Was ich anfangs als eine Geste groesster Demut gedeutet habe interpretiere ich nun jedoch als reine Bequemlichkeit. Denn bereits nach wenigen Minuten begannen meine Knie gegen die Folter zu protestieren. Es leben die gepolsterten Kniebaenke der katholischen Kirche habe ich mir da nur gedacht.

Bis dahin war der ganze Gottesdienst noch nicht sehr afrikanisch, aber die brauchen hier wohl auch etwas Zeit um in Fahrt zu kommen. Erst zum zweiten Lied setzte das Schlagzeug ein, das hier die Grundlage der musikalischen Gestaltung des Gottesdienstes darstellt. Wie bei uns die Orgel. Und klar, die Glaeubigen haben auch angefangen zu Klatschen, sich rhytmisch zu bewegen oder gleich durch die Kirche zu tanzen. Auch unsere Fuesse gehorchten dem Taktschlag, es war einfach unmoeglich stillzustehen. Und die Augen wanderten auch wie von selbst zur Seite der Damen. Ein afrikanischer Frauenhintern in Aktion scheint eine magische Anziehungskraft zu besitzen. Kein Wunder, dass die hier so gerne und haeufig in die Kirche gehen.

Waehrend der Predigt hoerten wir die rufe des Muezzin von der benachbarten Moschee. Islam und Christentum in saemtlichen Spielarten leben hier sehr friedlich Seite an Seite. Religionskonflikte sind in Sierra Leone unbekannt. Kann man auch verstehen. Diamanten sind schliesslich ein viel besserer und auch greifbarer Grund sich gegenseitig mit Macheten zu massakrieren als DIE offenbarte Wahrheit oder das Seelenheil. Kann man sich im Zweifel auch mehr davon kaufen. Obwohl…ich habe den Eindruck, dass auch die Religion ein ziemlich eintraegliches Geschaeft geworden ist. Vor der Kollekte wies der Bischof sehr geradeheraus darauf hin, wie viel Leons er denn von jedem seiner Schaefchen erwartet.

In Freetown giebt es wohl hunderte von Gebetshaeusern der verschiedensten Religionen, ich habe alleine mindestens 4 Koenigreichhallen der Zeugen Jehovahs gezaehlt, bei den weiteren christlichen Konfessionen habe ich laengst den Ueberblick verloren. Es gibt Methiodisten, Baptisten, Evangelikale, Katholiken, Wiedertaeufer (born again church), die schon genannte Church of Salvation. Auch die Moscheen habe ich aufgehoert zu zaehlen, alle sehr schoen mit Minaretten verziert, die auch manchmal hoeher ragen als der Kirchturm auf der gegenueberliegen Strassenseite. Stoert hier aber keinen. Als wir die zweitgroesste Stadt Sierra Leones, Bo, besuchten, konnten wir abends nicht einschlafen, weil in der Nachbarschaft um 0 Uhr ein Gottesdienst begonnen hatte, der sich inkl. flammender Predigt und Schlagzeug bis um 3 Uhr in der Fruehe hinzog. Puenktlich zum Sonnenaufgang ertoente wieder das muslimische Morgengebet von der Moschee her und es war vorbei mit der Nachtruhe. In Momenten wie diesen fragt man sich dann , ob das hier nicht doch etwas uebertrieben wird mit der Religion.

Diese ist auch auf den Strassen allgegenwaertig. Denn die Verzierungen der Poda-Podas (der Minibus-Taxis) weissen eindeutig auf die Religion des Fahrers hin. Man findet Aufschriften wie: „God bless Islam“, „Jesus saves“, „Jehovahs Jirre“, „Manchester United“ und neurdings auch hin und wieder Bekenntnisse zum neuen Erloeser „Barack Obama“. Gerade erst dieses Jahr sind die Poda-Fahrer auf die Idee gekommen auch weniger relevante Informationen auf ihre Busse zu pinseln wie etwa die Strecke die bedient wird.

In diesem Sinne ein herzliches Gruess Gott aus Sierra Leone