Archiv für Klimawandel

ZEIT für ATTAC? Traum oder Albtraum einer besseren Welt?

Posted in Wirtschaft & Politik with tags , , , , on März 25, 2009 by staunenundwundern

Die von der globalisierungskritischen Bewegung ATTAC herausgegebene fiktive Ausgabe der ZEIT soll eine positive Zukunftsvision darstellen. Im Jahr 2010 ist die Welt auf dem besten Weg eine bessere zu werden, weil die Forderungen der außerparlaramentarischen Opposition aus sozialen und Umweltbewegungen endlich erfüllt wurden. Ich frage mich jedoch, ob einige der guten Nachrichten in der ZEIT in Wirklichkeit nicht ein wahrer Albtraum sind. Ich jedenfalls war von einigen Artikeln entsetzt. Umso mehr weil ich 2006/2007 mit einer ATTAC-Ortsgruppe gegen die Bahnprivatisierung zusammengearbeitet habe und meine Mitstreiter von damals trotz politischer Differenzen sehr schätze. Wenn Freunde Mist bauen geht das nun mal besonders zu Herzen. Ich habe an fast allen Artikeln etwas auszusetzen, mal mehr mal weniger. Hier also meine ersten Kritikpunkte an dem Artikel:

KLAGEWELLE GEGEN KLIMASÜNDER Eine Prozesslawine rollt auf die Hauptverursacher des Klimawandels zu und setzt sie unter Zugzwang.

Eine gute Nachricht? Als Hauptverursacher des Klimawandels sind natürlich sofort die Autokonzerne ausgemacht, die nun zahlen müssen. Diese hätten durch ihre aggressive Vermarktung spritfressender Automobile maßgeblich zum Klimawandel beigetragen und seien deshalb verantwortlich für die Folgen. Von welcher Seite mag da Applaus erschallen? Klar die Konzerne sind schuld, aber was ist eigentlich mit den Käufern und Fahrern der Autos? Wenn jemand einen Menschen erschiesst, kann man dann auch den Hersteller der Waffe allein für den Mord verantwortlich machen und nicht den Mörder? Diese willkürliche Weise der Schuldzuweisung muss Erschaudern hervorrufen. Damit wird für die vermeintliche Schuld einfach ein Sündenbock gesucht, auf den sich leicht Feindbilder projezieren lassen. Dem Bürger, der mit diesem Artikel angesprochen werden soll wird die Schuldfähigkeit abgesprochen, er wird also endmündigt.

Auch sonst überzeugt die einseitige Verurteilung der Automobilkonzerne nicht. Warum z.B. werden nicht gleich noch die Werbetreibenden verurteilt, ohne die die „aggresive Vermarktung“ nicht möglich gewesen wäre. Oder die Automobilzulieferer wegen Beihilfe zum Klimamord?  Was ist eigentlich mit Konzernen, die verbrauchsarme Modelle auf den Markt gebracht haben – wie den VW Lupo – und deren Produktion dann mangels Nachfrage wieder einstellen mussten? Sollen diese dann verurteilt werden, weil sie ihre spritsparenden Automobile nicht aggressiv genug vermarktet haben?

In dem Artikel wird weiter  die Verklagung von besonders klimasündigen Staaten vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag als  „positive“ Vision dargestellt. Das heisst alle Staatsbürger müssen kollektiv für die CO2-Emmision haften, ungeachtet ihres individuellen Lebensstils und ihrer persönlichen CO2-Bilanz. Denn die Strafen, welche die Staaten in so einem Fall zu zahlen hätten müssten natürlich über Besteuerung finanziert werden. Eine andere Einnahmequelle haben die Staaten ja nicht. Wie sollte eine solche Besteuerung dann gerecht gestaltet werden? Über zusätzliche Besteuerung des Energieverbrauchs? Das wäre vielleicht eine Lösung, aber was ist mit Unternehmen, die energieintensiv produzieren und dies auch nicht ändern können? Ausnahmen zulassen? Da wird dann das große Geschrei losgehen, weil dann jeder für sich eine Ausnahme fordern könnte.

An dieser Stelle möchte ich auf eine Rede von George Reisman verweisen. Dieser ist „Klimaskeptiker“ und Anhänger der Östereichischen Schule der Ökonomie. Ich bin nicht mit allem einverstanden was er so sagt, aber diesen Sätzen kann ich uneingeschränkt zustimmen:

Falls Klimaerwärmung, Ozonabbau oder was auch immer tatsächlich Folgen von Handlungen der Menschen als Kollektiv sind, jedoch nicht von Handlungen irgendeines gegebenen Individuums, auch nicht eines gegebenen individuellen Unternehmens, dann ist es nur richtig, diese entsprechend als Phänomene der Natur zu betrachten. Da sie nicht durch Handlungen individueller Menschen erzeugt werden, entsprechen sie Handlungen die moralisch überhaupt nicht von Menschen verursacht werden.

Ob durch das Handeln der Menschheit als Ganzes nun einen katastrophalen Klimawandel hervorgerufen wird, ob die Veränderungen des Klimas einigen Regionen schaden und anderen nützen (auch das kann ja der Fall sein), oder ob sich herausstellt, dass die Natur die Effekte des anthropogen erzeugten CO2 soweit kompensiert, dass wir keine Änderungen bekommen, auf keinen Fall können Einzelne oder Personengruppen für etwas haftbar gemacht werden, was de facto auf die Karte der Menscheit als Ganzes geht.

Dieser Artikel bedient Vorurteile indem er sich die üblichen Verdächtigen sucht und aburteilt. Das zugrunde liegende Rechtsverständnis ist von Ressentiments gegenüber dem „westlich-hedonistischen“ Lebensstil geprägt. Wer diesen zum Verbrechen deklariert anstatt attraktive Alternativen anzubieten schadet der Diskussion um den richtigen Umgang mit Umweltproblemen mehr als er nützt.