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Renten-Ponzi?

Posted in Wirtschaft & Politik with tags , , , , on Januar 14, 2009 by staunenundwundern

Ponzis Pyramidenspiel

Dezember vergangenen Jahres wurde der angesehene New Yorker Investor Bernhard L.  Madoff wegen Betrugsverdacht vom FBI festgenommen. Dem Mitbegruender der Technologieboerse NASDAQ wird vorgeworfen, mit seiner Investmentfirma ein Pyramidenspiel betrieben zu haben. Dabei seien die versprochenen Gewinne ueber immer neuen Kundeneinlagen und nicht ueber die Renditen getaetigter Investitionen finanziert worden.

Diese Form von Anlagebetrug ging erstmals als „Ponzi-Trick“ in die Geschichtsbuecher ein. Der italienische Emmigrant hatte in den USA der 20er zweimal versucht mittels eines Pyramidenspiels zu Vermoegen zu gelangen, beide male brach die Pyramide jedoch zusammen und Ponzi wanderte jeweils fuer mehrere Jahre ins Gefaengnis.

Bei einem Pyramidenspiel (synonym Schneeballsystem) oder „Ponzi-Trick“ handelt es sich um ein als Anlageverfahren getarntes Umlageverfahren. Durch hohe Rendite gekoederte Anleger werden nicht aus erwirtschafteten Gewinnen sondern mit dem Geld immer neuer Anleger ausgezahlt.  Da dadurch aber die Zahl Anspruchsberechtigter immer weiter steigt muesste die Basis neugeworbener Anleger gegen unendlich gehen um die Ansprueche zu decken. Das System bricht genau dann zusammen, wenn die auszuzahlenden Gewinne die Einlagen neuer Kunden uebersteigen.

Warum das umlagefinanzierte Rentensystem KEIN Pyramidenspiel ist

Die Tatsache, dass es sich bei einem Pyramidenspiel um ein Umlageverfahren handelt wurde sogleich von Gegnern staatlicher umlagefinanzierter Rentensysteme, vornehmlich Anhaengern der oestereichischen Schule der Oekonomie genutzt um diese als vermeintlichen „Ponzi-Trick“ zu „entlarven“ und zu diskreditieren. So schreibt Gernot Kieseritzky im Blog der eigentuemlich frei:

Vielleicht mag es den ein oder anderen Leser überraschen, aber auch das Rentensystem beruht auf dem Ponzi-Modell, das im Grunde genommen nichts anderes als ein Umlageverfahren ist. Die ausgezahlten Renten werden direkt durch die laufenden Versicherungsbeiträge finanziert, und nicht aus etwaigen, mit „eingezahlten“ Versicherungsbeiträgen erwirtschafteten Kapitalvermögen. Das geht nur solange gut, wie Einzahler und Leistungsbezieher sich die Waage halten. Seit geraumer Zeit ist das nicht mehr der Fall, weshalb das System nur durch milliardenschwere Steuerzuschüsse, die letztlich auch der Arbeitnehmer tragen muss, am Leben gehalten wurde. Die Tatsache, dass unser Rentenschneeballsystem bereits seit über fünfzig Jahren bestehen konnte, lässt sich nur dadurch erklären, dass seine Anleger zur Zahlung gesetzlich verpflichtet worden sind – auch wenn sie den Betrug längst durchschaut haben. Davon dürften Carlo Ponzi oder Bernard Madoff wohl geträumt haben.

Richtig, Ponzi-tricks sind Umlagesysteme, haben wir ja auch schon festgestellt. Allerdings besitzen sie auch Pyramidencharakter. Rentensysteme besitzen diesen nicht. Anspruch auf Rente besteht nur solange man lebt, mit dem Tod verlischt dieser. Bei einem Pyramidenspiel verlischt der Anspruch erst mit Rueckkauf der Anteilsscheine durch den Emmitenten. Der dann untergeht, wenn zu viele Anleger ihre Anteile ausbezahlt haben wollen. Bei einem Pyramidenspiel ist der Fall dass „Einzahler und Leistungsbezieher sich die Waage halten“ zwar theoretisch moeglich, praktisch jedoch nicht, da zur Koederung sehr hohe Renditen versprochen werden. Und sich genau dadurch schnell die Pyramide aufbaut, da immer mehr neue Anleger benoetigt werden um diese hohen Renditen auszubezahlen. Sprich: ein Pyramidenspiel in dem sich Einzahler und Leistungsbezieher die Waage halten waere so unattraktiv, dass gar keiner einzahlen wuerde.

Bei einem umlagefinanzierten Rentensystem ist der Fall, dass „Einzahler und Leistungsbezieher sich die Waage halten“ eigentlich die Regel. Verschiebungen gibt es natuerlich, da die Anzahl der Rentner (also Anspruchsberechtigter) aber nicht unendlich steigen kann, und diese bei ihrem Ableben also Ausstieg aus dem System auch nicht die eingezahlten Beitraege nebst Rendite zurueckfordern, kann das gesamte System von der Seite der Anspruchsberechtigen her eigentlich nicht zusammenbrechen. Und auch die Anzahl der Arbeitenden, sprich der Einzahler kann nicht gegen null gehen, oder kann sich jemand ausser ein paar Libertaeren, die den wohlfahrtsstaatsverschuldeten Untergang der Arbeitswelt schon seit Jahren herbeireiden, vorstellen, dass keiner mehr Arbeitet und in das Rentensystem einbezahlt. Sinkt die Arbeitslosigkeit, steigen die Loehne, dann ist es auch um die Finanzierung der Rente besser gestellt, bei Massenarbeitslosigkeit und Lohnstagnation muessen eben zusaetzlich Steuermittel aufgebracht werden. Aber um ein „Rentenschneeballsystem“ handelt es sich bei unserer Gesetzlichen Rentenversicherung nicht, sorry Herr Kieseritzky, das ist totaler Unsinn, da haette schon ein Blick in die wikipedia genuegt:

Als Schneeballsystem oder Pyramidensystem werden Geschäftsmodelle bezeichnet, die zum Funktionieren eine ständig wachsende Zahl Teilnehmer benötigen. Gewinne für Teilnehmer entstehen beinahe ausschließlich dadurch, dass neue Teilnehmer einsteigen und Geld investieren.

Es ist schon erstaunlich, dass gerade jetzt, da etliche private Rentenfonds von der Pleite bedroht sind, das gesetzliche Rentensystem so diskreditiert werden soll.

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